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Der Einzug der Königin von Kaba

Von Isabella Renitente

Bekanntlich haben Coco vom Reiherteich, die Turbokatze, und Freddy von der roten Bartnelke, der Mantakater, eine heftige und zuweilen pfotengreifliche Liaison (Wer ist denn der große blaue Kater mit dem Straßhalsband, der wieder die schüchterne kleine schwarze Katze verprügelt?). Aus dieser Verbindung sind bislang keine Nachkommen hervorgegangen. Böse Zungen halten das nicht für einen Nachteil (Wollt Ihr von der Katze wirklich Kitten? Echt?).

Ich teile mein Sofa nicht mit schwarzen Warmputzern!

Hau ab! Du lästige, schlumpffarbene Psychokatze!

Kater sind alles Schweine....... menno, autschn!

In der medizinischen Fachwelt wird der Fall kontrovers diskutiert. Der Psychotherapeut von Freddy meint, der Kater stehe zu sehr unter Erfolgsdruck, weil er bloß wegen seines imposanten Erscheinungsbildes als Catnizer gelte und sich daher ständig einer gewissen Erwartungshaltung ausgesetzt sehe. Coco vom Reiherteich wiederum, die Turbokatze, sei zu dominant. Das führe bei dem sensiblen Freddy zu meridial-mandibulösen Blockaden und glukokortikoiden Vestibulärstenosen, die nur durch hydroanaphylaktisch-lateralmediale Laringisynopsenpulpa-Analyse aufgelöst werden könnten. Möglicherweise liege aber auch ein postnatal-lävuloses Kittentrauma infolge nystagmer Obstruktion vor. Dafür spreche die Tatsache, daß auch Freddys Schwester Frieda Martin, geborene Bartnelke, sehr schüchtern sei. Vermutlich habe Freddy es in jungen Wochen nicht gewagt, sich dem autoritären Erziehungsstil seiner strengen Mutter Jutta Gremmelmann zu entziehen. Der Vater hingegen, Harry Gremmelmann, habe lieber im Catroom auf dem Mauspäd gelegen, anstatt sich um die Kitten zu kümmern (Kater sind ja solche Schweine!). Freddy sei daher matriarchal geprägt und infolge dieser juvenalen Prägung jetzt als erwachsener Kater auf Käsedreamies fixiert. Die Käsedreamies hätten praktisch felinerotische Ersatzfunktion Streitbaren, dominanten Katzen geht Freddy jedenfalls lieber aus dem Weg.

Hey Babe!

Der Psychiater von Coco hingegen meint, das sei alles Quatsch. Freddy von der Bartnelke wolle sich nur vor der Verantwortung für seinen möglichen Nachwuchs drücken. Er befürchte auch, seine Futterration in Zukunft mit den Kitten teilen zu müssen. Freddy reiche es schon, daß der ewig hungrige Eisbär von Schmusekatz und Klau keine Gelegenheit auslasse, ihm seine Frühstückchen wegzufressen.

Cocos Gynäkologin bestätigt, daß, vom Morbus Zank chronicus abgesehen, keine organischen Sachverhalte vorliegen, die einer felinen Gravität ernsthaft entgegenstehen. Sie rät zu warmen Bauchwickeln, einem pneumenzephalographischen Laxativum und einer Paarberatung. Freddys Urologe stimmt dem zu. Er hat festgestellt, daß bei Freddy alles dran und überaus prächtig entwickelt ist. An Freddys Bommeln könne es daher nicht liegen. Aber vielleicht übertreibe es der Kater ein bisschen mit der systemischen Parfümierung (Eau de chat noir). Der Kardiologe von Eisbär wiederum meint, Coco und Freddy tickten nicht ganz richtig.

Zum Haus Querencastle gehörte irgendwann auch noch ein Aquarium mit drei kleinen, bunten Fischen. Jedenfalls solange, bis Coco eines Tages mit Pokerface vor dem Aquarium saß, sich die Lippen leckte und betont sorgfältig ihr Fell striegelte. Coco bestreitet mit Nachdruck, für das Verschwinden der Fische verantwortlich zu sein. Zeugen halten sich bedeckt. Die Beweislage ist ungeklärt.

Coco nach der Verspeisung der drei heiligen...............äh Quatsch BUNTEN Fische!

Connie bringt ihr langes, schweres Blondhaar üblicherweise mit einem Lockenstab in Form. Am Mittwochmorgen €- Connie hat es wie immer eilig - verheddert sich die Haarsträhne, an der Connie gerade arbeitet, in den Borsten des Lockenstabs. Die Haarsträhne ist bis zum Ansatz straff aufgerollt und mit Drei-Wetter-Kraft (morgens Garbsen, mittags Bissendorf, abends Burgwedel) fest einbetoniert. Sie hat jetzt auch eine sehr schöne Form. Aber sie bewegt sich nicht vor und nicht zurück. Die Strähne sitzt fest. Bombenfest. Und sie gibt den Lockenstab nicht mehr her. Connie steht da, das seidige Blondhaar hübsch gewellt. Und oben, mitten auf dem Kopf, steckt der Lockenstab fest. Quer. Großes Geschrei im Bad.       “Hollll-gerrrrrrrrr!”

Der Gatte eilt herbei. Es klingt, als sei Connie im Ableben begriffen. Als er sieht, daß es nur ein weibliches optisches Problem gibt, winkt er ab. Ein querliegender Lockenstab? Der sich festgefahren hat? Ja und? Was daran so schlimm ist, will der Gatte wissen. Und was so eilig. Als Connie dann androht, die Strähne direkt über der Kopfhaut abzuschneiden, um sich von dem Lockenstab zu befreien, holt der Gatte dann aber doch die Werkzeugkiste. Mit der Kneifzange kappt er Borste für Borste. Das dauert. Und der Lockenstab muß dann in den Müll. Aber Connie kann das Haus wieder bei Tageslicht verlassen. Es herrscht, wie immer, Chaos im Querencastle.

In dieser verfahrenen Lage kündigt sich bei Querencastles überraschend Nachwuchs an: Grace Kelley, eine geborene Muggel. Sie wird am Freitagabend eintreffen.

Nach reiflicher Überlegung entschließen Querencastles sich, Coco einstweilen zu Dr. Takoda nach Bassum zu evakuieren. Sie wird dort an den Seminaren - €žKatzenknigge - und - €žgewaltfreie Kommunikation - teilnehmen und sich einer Gruppentherapie zur Schulung sozialen Verhaltens unterziehen. Für den schüchternen Freddy von der roten Bartnelke lassen Querencastles einen Trainer zum Thema - Stimme und Präsenz - kommen. Ziel dieser Maßnahme ist es, Freddys Selbstbewußtsein durch Stimm- und Sprachübungen zu stärken und das Kräftegleichgewicht in der Familie wiederherzustellen. Freddy nimmt seine Übungen ernst. Mümele-memele-mümele-memele-mümele-memele.Und - Der kastrierte Kater tritt die knarzende Treppe krumm; krumm tritt der kastrierte Kater die knarzende Treppe. - Ja, wiederholen Sie das mal. Gar nicht so einfach, wie? Der kastrierte Kater...Na, glücklicherweise ist bei Freddy ja noch alles dran.

Während also Coco ziemlich kleinlaut bei Dr. Takoda in Bassum auf der Couch liegt und aus dem Nähkästchen plaudert (Kater sind ja solche Schweine!) und Freddy zu jeder Tages- und Nachtzeit (vorzugsweise zur Nachtzeit) lautstark seine Stimmübungen absolviert, zieht Grace Kelley bei Querencastles ein, eine winzige, 14 Wochen alte Aquarellkatze in Fawn, Weiß und Apricot, den aktuellen Farben der Saison.

Neugierig und unerschrocken macht sie die ersten Schritte auf dem fremden Parket-t-t-t. Dann bleibt sie wie angewurzelt stehen. Ein Mantakater verstellt ihr den Weg! Ein riesiger schwarzer Mantakater mit gold glühenden Augen! Und der schwarze Kater preßt sich dicht an den Boden. Macht sich flach wie eine Flunder. Hilfe! Was ist dassss?

Grace Kelley hat noch nie in ihrem Leben einen schwarzen Kater gesehen. Sie ist an Cinnamon, Rot und Creme gewöhnt. Oder Lilac. Bestenfalls Schoko-Sahne. Aber Schwarz! Richtig Tiefschwarz! Der Mantakater ist von Kopf bis Pfote tiefschwarz! Mäusesocke und Zwiebelfisch! Der Kater wird sie fressen! Und dann unverdaut wieder ausspucken. So gefährlich wie der aussieht. Hölle und Verdammnis! Das läßt sie sich nicht gefallen! Sie kommt aus einem Haushalt, in dem zahlreiche Katzen, ein Hund, Kinder und ein Staubsauger leben. Sie ist einiges gewöhnt und hart im Nehmen. Und schon sträubt die winzige Katze ihr Fell und macht einen grooooßen Buckel. Groß aus ihrer Perspektive. Und beeindruckend. Und damit sie auch richtig furchterregend wirkt, gibt die kleine Grace ein Geräusch von sich, das in ein paar Monaten, wenn das Geräusch erwachsen sein wird, wie ein Fauchen klingen könnte.

Freddy von der roten Bartnelke, der schwarze Mantakater, ist irritiert und macht sich noch flacher. Wenn er sich in den Schatten der Flurkommode schleicht, ist er nahezu unsichtbar. Und wenn er dann noch die Augen fest zukneift, sieht ihn garantiert niemand mehr. Er würde sich ja auch gern unter das Bett oder unter den Schreibtisch zurückziehen, aber vor der Kommode baut sich eine fremde Katze auf und verstellt ihm mit gesträubtem Fell den Weg. Macht einen Buckel. Krächzt ihn an. Und riecht sehr eigenartig. Sehr irritierend eigenartig.

Wer die fremde Katze ist, die sich vor der Kommode querstellt und ihn bedroht, will der Mantakater wissen. Und wo seine geliebte Coco ist. Er will seine Coco wieder haben. Es ist so erschreckend still und friedlich im Haus. Und was das soll, daß Eisbär sich schon wieder über sein Futter hermacht. Das findet er gemein, so gemein.

Ratlos steht Freddy von der roten Bartnelke vor der neuen kleinen Katze. Wird die Kleine ihn angreifen? Wird sie ihn verprügeln, wie er es von Coco gewöhnt ist? Beide schauen sich an. Beide sind not amused. Dann rast Freddy ins Wohnzimmer und sucht Spielzeug zusammen. Das legt er der kleinen Grace vor die Füße. “Feines Nili. Kannssu mit pielen. Ei! Fein!”

Die kleine Katze schaut den großen schwarzen Kater an. Ob der einen Schatten hat, will sie wissen. Und ob sie mit dem etwa jetzt leben muß. So ein Greis (Freddy ist drei Jahre alt)! Und dann einen auf jugendlich machen und Bällchen durch die Wohnung kicken. Wie der mit den Hüften swingt. Vor solchen Kerlen hat ihre Ma sie immer gewarnt (Kater sind ja solche Schweine!). Da hält sie sich doch lieber an die graue Eminenz, die da so vertrauenserregend auf dem Sofa liegt und lächelt. ,,Hallo Eminenz.€“ ,,Hallo Gracey!”

Wer bist Du denn?

Mami... die große Katze in aquarellfarben will mich fressen........

Eisbär begegnet der neuen, kleinen Katze mit vornehmer Distanz. Verhalten mustert er das winzige Wesen mit den großen, braunen Augen. Haben Freddy und Coco doch noch ein Kitten gemacht? Ist der Mantakater (alter Schwede!) Vater geworden? Oder hatte Coco etwa ein heimliches Date ausser Haus? War sie bei rollige-katze-sucht-kater.de? Oder bei rent-a-male-cat.com? Ohne ihn zu fragen.Eisbär ist not amused. Er ißt auf Diät. Ein weiteres hungriges Maul, das sein rationiertes Magerfutter verschlingt, hat ihm gerade noch gefehlt.

Nach ein paar Tagen kehrt wieder Ruhe ein bei Querencastles. Freddy von der roten Bartnelke hat sich an die Neue gewöhnt und überlegt, ob er sie bei Gelegenheit mal ein bißchen in den Nacken beißt. Grace Kelley hat ihr gesträubtes Fell wieder geglättet und windet sich schnurrend um die fremden Menschenbeine, die nun eilfertig für sie Leckereien herbeischaffen. Also, der Service in ihrem neuen Zuhause ist erste Sahne. Da kann sie nicht meckern.

Auf der Anrichte und auf dem Parket-t-t-t stehen glänzende Säulen herum. Die nennt mensch ,,€žPo Kahle” (wer ist Po Kahle?). Die eignen sich ganz toll zum Slalomlaufen und Verstecken. Und es klingt auch richtig gut, wenn so eine Po-Kahle-Säule umkippt. Dann für alle Fälle das Katze-hat-den-Kanarienvogel-Gesicht aufsetzen (Ich war das nicht!).

Nur eins, das stört die kleine Grace. Querencastles haben Wasser, das faucht und spuckt. Das Wasser kommt hier nicht nur aus der Wand wie in Bassum, sondern auch aus langen, schmalen, durchsichtigen Röhren (Was sind Flaschen?). Wenn ihr neues Personal so eine Röhre öffnet, faucht das Wasser. Und wenn sie dann das Wasser in eine hohe, schmale Schüssel gießen (das nennen die hier ,,Glas”; was ist Glas?), und Grace das Näschen in das Glas steckt, dann spuckt das Wasser und Grace muß niesen. Mäusesocke und Zwiebelfisch. Das ist ekelhaft. E-kel-haft!

grrrrrr....

Foto von Isabella Renitente (c)

grrrrrr...

Am Samstag holen Querencastles Coco in Bassum ab. Die Woche bei Dr. Takoda hat der Turbokatze gut getan. Sie ist - auf den ersten Blick - deutlich ruhiger und gesitteter geworden. Ihren Leuten begegnet sie mit ausgesuchter Höflichkeit. Dann steht sie zum ersten Mal vor Grace.

Die Zeit krümmt sich. Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden. Die Luft brennt. Die beiden Katzen starren sich an. Zwei Alphakatzen. Und nur ein potenter Kater im Haus! Da ist eine Katze zu viel. Da muß eine weichen! Grrrrrr.

Aber Coco hat ja nun gelernt, sich wie eine Dame zu benehmen. Ihre Manieren passen jetzt zu ihrem funkelnden Straßhalsband. Coco ist kaum wiederzuerkennen. Sie ist wie ausgewechselt. Nett zu Eisbär. Friedfertig gegenüber Freddy. Und tolerant zu Grace. Genau genommen, muß sie ein 14 Wochen altes Seidenöhrchen auch nicht wirklich ernst nehmen. Die Kleine hat noch nicht mal gerollt. Die hat ja so gar keine Ahnung. Und damit liegen sich Coco und Freddy wieder verliebt in den Pfoten.

Nachts poltert es dann plötzlich irgendwo in der Dunkelheit. Es kratzt und scharrt. Zang! Da fliegt eine Tatze. Zang, zang! Ein Trommelwirbel aus Tatzen. Irgendwo fällt ein Po-Kahl um. Zang! Es scheppert. Ein tief fliegender Mantakater verschwindet im Schatten der Nacht und preßt die Augen ganz fest zu. Ein kleiner blauer Schatten huscht hinterher. Zang! Stöhnen. Zang, zang!

Kater sind solche Schweine!

Willkommen in der Wirklichkeit.

Liebe Isabella! Auch für diese Querencastlegeschichte hab vielen, vielen Dank!

Hier geht es zu Isabella´s Chaoskater!