siegel_felidae_neu2

Kitten on Board

Von Isabella Renitente

Im Querencastle besteht noch immer der heiße, aber unerfüllte Wunsch nach eigenen kleinen Britenbären. Kleine Querencastles. Das wäre schön. Mit Freddy und Coco klappt es ja bekanntlich nicht, weil Freddy zwar einen sehr hohen Hormonspiegel hat und Coco nicht von der Seite weicht, Coco Freddy aber böse ohrfeigt, sobald er das Ich-gründe-eine-Familie-Gesicht aufsetzt. Und in Bassum hat Coco Hausverbot, nachdem sie Dr. Takoda, Don El Corazon und Dudley heftig attackiert hat.

Seitdem Coco unausgefüllt aus Bassum zurück gekehrt ist, grölt sie rund um die Uhr. Sie brüllt sich die Seele aus dem Leib und magert mehr und mehr ab. Bei Querencastles liegen (wieder mal) die Nerven blank. Man(n) weiß sich keinen Rat mehr. Bevor ihr Ruf sich über die Grenzen Bassums hinaus im Land verbreitet und sie sich nirgendwo mehr blicken lassen kann, reist Coco daher für eine Woche zur Catness nach Hannover. Zu Vicomte Jerome du Chateau Moycampagne. Einem wundervollen Catnizer in Creme.

Klick auf´s Bild und Du kommst in Jerome´s Zuhause.

Jerome!

Mit gemischten Gefühlen lassen Querencastles ihre Terrorkatze dort zurück. Sollten sie schnell noch die Versicherungssumme ihrer Tierhaftpflichtversicherung aufstocken? Und greift die überhaupt ein bei bedingtem Vorsatz? Oder sehr grober Fahrlässigkeit? Wenn bekannt ist, daß die Katze eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und sie trotzdem ausser Haus gebracht wird? Deckt die Hausratsversicherung die Schäden am Mobiliar? Und greift die Rechtsschutzversicherung ein, wenn Jerome - schwer verletzt und möglicherweise dauerhaft bis zur Zeugungsunfähigkeit mißhandelt - Klage auf Schadensersatz erhebt? Was ist, wenn Jerome eine lebenslange Rente verlangt? Querencastles schlafen nicht gut in dieser Woche, und mit Sorge, mit großer Sorge sehen sie dem Tag entgegen, an dem sie Coco wieder abholen werden.

Umso überraschter sind sie, als sie Coco nach einer Woche abholen und erfahren, daß Coco und Jerome einen ausgesprochen harmonischen, verliebten und zärtlichen Umgang miteinander gepflegt haben. Und sie trauen ihren Augen nicht, als sie Coco und Jerome Nase an Nase und Pfote an Pfote in inniger Umarmung schweigend ins Gespräch vertieft liegen sehen. Das ist ihre Coco? Die Terrorkatze? Die in Bassum lebenslänglich Hausverbot hat? Echt? Und diese Coco steigt bereitwillig in das Katzentaxi? Wirft Jerome noch einmal einen tiefgründigen Blick zu? Motzt nicht auf der Heimfahrt? Motzt nicht, als sie zu Hause in der KG (Katzenwohngemeinschaft) ankommt? Ist das ihre Coco? Wirklich?.Kaum wagt man(n) sich zu freuen. Man(n) hat ja schon Pferde kotz... äh ... husten sehen; und das mitten vor der Apotheke.

Gracey, die kleine fünf Monate alte Aquarellkatze, begegnet Coco mit vorsichtigem Respekt. Die Alte tickt ja nicht so richtig. Mit der legt sie sich besser nicht an. Der geht sie lieber aus dem Weg. Und jetzt riecht die auch noch so befremdlich.

Freddy freut sich, daß seine Coco wieder da ist. Irritiert schnüffelt er an ihr. Die riecht ja so fremd. Vor allem hinten. Die sieht aus wie seine Coco. Bewegt sich wie seine Coco. Aber sie riecht nicht wie seine Coco. Und irgendwie verhält sie sich auch anders als seine Coco. Die blaue Katze, die so aussieht wie seine Coco, ist jetzt seit einer halben Stunde im Haus und hat ihn noch nicht einmal geohrfeigt, angefaucht oder gekratzt. Das versteht er nicht. Das versteht er beim besten Willen nicht.

Eisbär von Schmusekatz und Klau nimmt zur Kenntnis, daß Coco wieder da ist. Dann will er wissen, wann er endlich seine Abendmäuschen bekommt. Er hat Kohldampf (Was ist eine Gewährleistungsfrißt?). Und das nervt. Das nervt sehr.

Bald haben sich alle im Querencastle daran gewöhnt, daß Coco wieder da ist und sich jetzt etwas anders benimmt als sonst. Sie rollt nicht mehr. Sie prügelt Freddy nicht mehr durch die Wohnung. Sie ist leidlich nett zu Gracey, und sie frißt wie ein Scheunendrescher. Aber sonst zeigt sie keinerlei Anzeichen dafür, daß der Besuch bei Jerome gefruchtet hat.

Gracey, das kleine Luder, nutzt die Gunst der Stunde und macht Freddy schöne Augen. Sie rollt sich auf dem Boden, keckert ihn an und präsentiert ihm ihr niedliches Hinterteil. Was Coco kann, das kann sie schon lange. Und im Moment kann Coco eben gerade nicht.

,,Wow, gibs mir. Gibs mir feste!” piepst die kleine Katze. Und sie ist froh, daß niemand sie fragt, was genau Freddy ihr denn geben soll. So genau weiß sie das nämlich nicht. Genau genommen weiß sie es gar nicht. Sie will nur Coco ein bißchen eifersüchtig machen, die aus irgendeinem Grund derzeit nicht in Freddys Gunst liegt. Aber als Freddy auf ihre Avancen eingeht, Gracey beschnuppert und sich anschickt, ihr in den Nacken zu beißen, da nimmt die kleine Aquarelkatze dann doch Reißaus und klettert ganz schnell auf den Kratzbaum. Eigentlich kuschelt sie sowieso lieber mit Onkel Eisi.

,,€žHallo Eisi!”

,,Hallo Gracey!”

In den vergangenen Monaten hat Coco schon so oft eine Schwangerschaft simuliert, um die besondere Aufmerksamkeit der Familie zu genießen, daß niemand es mehr wagt, seine Hoffnung laut zu äußern oder vorzeitig zu frohlocken. Aber natürlich denken alle nur an das Eine: Hoffentlich hat es diesmal geklappt! Hoffentlich ist die Katze voll!

Coco hält die Familie und die KG weiter zum Narren. Sie frißt wie ein Scheunendrescher und ist nett zu Freddy, nimmt aber nicht zu, und auch die Zitzen verändern sich nicht. Im Hause Querencastle liegen die Nerven blank. Bitte nicht schon wieder eine Scheinschwangerschaft! Bitte das nicht!

Dann, als kaum noch einer an die Querencastlebärchen zu glauben wagt, rundet sich Cocos Bauch zusehens. Demonstrativ liegt die Terrorkatze auf dem Rücken und präsentiert feixend ihre Babymolle. Bewegt sich da nicht etwas? Strampelt da nicht wer? Lauter kleine Terrorbabys? Ja?

Ob jemand bitte mal Fotos von ihrer Babymolle machen kann, für die Website und fürs Forum, will Coco wissen. Damit auch alle wissen, daß sich im Querencastle jetzt wirklich was tut. Schon mal Geschenke und Leckerlis für die werdende Mutter kaufen. Und ein Wochenbett aufstellen.

Ab Mitte August laufen die Vorbereitungen für die Entbindung auf Hochtouren. Das Wochenbett ist fertig, wenngleich noch wechselweise von Freddy oder Eisbär mit Beschlag belegt. Für alle Fälle werden große Pappkartons gesammelt und weiche Decken bereit gelegt. In der Küche stapelt sich Kittenfutter. Alle sind angemessen nervös. Und als bei Coco endlich die Wehen einsetzen, vergißt sogar Eisbär sein chronisches Freßfieber und macht einen weiten Bogen um Cocos Futternapf.

Große Aufregung, als der Fußboden im Wohnzimmer dann plötzlich von blutroten Flecken übersät ist. Es geht los! Die Babys kommen! Halleluja! Die Babys kommen! Endlich! Schon mal alle privaten Termine absagen und für Notfälle die Rufnummer der Tierärztin heraussuchen. Die Decken auf dem Ehebett ausbreiten. Die Pappkartons aufstellen. Und heißes Wasser bereiten, viel heißes Wasser. Wie man(n) das aus dem Fernsehen kennt.

Dann stellt sich heraus, daß es ein Fehlalarm war. Die roten Flecken sind kein Blut. Es sind die Blätter getrockneter Rosenblüten, die in einem Drahtkorb auf dem Schrank standen. Irgendwer hatte sich verbotswidrig in dem Korb gewälzt und die Rosenblätter zerbröselt. Irgendwer hatte die zerbröselten Rosenblätter verbotswidrig aus dem Drahtkorb geworfen. Und irgend jemand anderes hatte (Hölle und Verdammnis!) dann mit feuchten Sohlen die Blütenblätter durch die ganze Wohnung getragen (hat denn keiner dem Kind beigebracht, die Füße zu heben?).

Die Wehen halten an. Coco bekommt schließlich in der Tierklink einen Reißverschluß und drei süße kleine Fellklöße. Ein kleiner blauer Fellkloß ist deutlich als Katerchen zu erkennen. Ungeniert liegt er auf dem Rücken und präsentiert seine winzigen Bommeln. Er wird einmal der Catnizer Südniedersachsens werden. Die anderen beiden Fellklöße sollen Mädels sein. Bei der einen ist das ganz offensichtlich. Bei der anderen weiß man(n) das noch nicht sooo genau. Könnte sein. Könnte aber auch nicht sein.

Erwartungsgemäß wehrt Coco sich nach der Narkose zunächst gegen das Anlegen ihrer Babys.

,,Wo kommen die denn auf einmal her?”, will sie empört wissen. Die riechen fremd! Die kennt sie nicht! Die will sie nicht! Bastet! Ihr ist übel und katze schiebt ihr fremde Kitten unter. Hund und Sau! Soweit kommt das noch!

Querencastles und die Kittengärtnerin Elena of Saint Martins Field versorgen die hungrigen Babys daher zunächst mit ambulanter Milch aus der Ampulle. 20 Milliliter passen in eine Verpackungseinheit. 20 Milliliter passen auch (mit einem Schnuller) in drei kleine ausgehungerte blaue Katzen. Eine Stunde später treffen die erfahrene Hebamme und ihre Assistentin aus dem Schmusepalast ein. 20 Milliliter Kittenmilch? Für drei kleine neugeborene Katzen? Auf einmal? Echt? Boah! Also üblich und empfohlen sind ein Milliliter pro Katze pro Mahlzeit. Wenn das so weiter geht mit den hungrigen kleinen Brummern, werden Querencastles sich um ein Zubrot bemühen müssen. Braucht jemand noch einen patenten Hausmeister? Oder eine Urlaubsvertretung zum Katzenhüten? Oder zum Zeitungen austragen? Callcenter ginge zur Not auch. Alle Querencastles haben melodische Stimmen. Und es muss ja nicht ein Callcenter mit Schweinkram sein. Das wär wohl nicht gut für den häuslichen Segen.

Die Reaktion der übrigen Kamikatzen im Querencastle auf den Familienzuwachs ist gemischt. Eisbär von Schmusekatz und Klau schnüffelt an den Kitten, verzieht das Gesicht und sucht das Weite (glücklicherweise findet er es auch). Ihn interessiert bestenfalls das leckere Wöchnerinnenfutter, das direkt neben dem Wurfbett steht.

Gracey sind die blauen Babys äußerst suspekt. Die Fellklöße riechen so komisch nach dem Silberspray, das während der Entbindung verwendet wurde. Und nach ... nach Milch? Milch? Was ist das denn? Muß sie das fürchten? Für alle Fälle (sind das Kampfratten?) hält Gracey erst einmal gebührenden Sicherheitsabstand. Klettert auf den Kratzbaum, der neben dem Wurfbett steht, schaut ganz hoch oben sehr vorsichtig über den Rand und beobachtet mit großem Interesse die kleine Katzenfamilie zu ihren Pfoten. Sind das Mäuse? Darf sie die jagen und apportieren, wenn keiner in der Stube ist und zusieht? Und wieso liegt Coco den ganzen Tag im Bett, anstatt sich wie sonst auf dem Boden zu wälzen und zu grölen. Hey, was ist hier los? Was geht hier ab?

Und Freddy, der Mantakater? Der bei den Damen bislang wenig erfolgreiche Minnesänger? Der hockt vor dem Wurfbett und strahlt seine Coco an. Na, also! Da hat es ja doch noch geklappt mit den Babys. Niemand hat mehr geglaubt, daß er nicht nur sehr potent aussieht, sondern auch sehr potent ist. Aber da liegt der Beweis! Seine Babys! Wundervolle, kleine Britenbärchen. Die Früchte seiner Lenden. Seine Gene! Nur die kleinen cremefarbenen Flecken, die irritieren ihn. Coco ist blau. Er ist tiefschwarz. Wo, Hund und Sau, kommt dieser Hauch von Creme her?

Freddy jedenfalls nimmt seine neue Vaterrolle sehr ernst. Er würde sich gern zu Coco ins Wochenbett legen und die kleinen Kerle putzen. Aber man(n) läßt ihn noch nicht. Coco müsse sich erst von der Entbindung erholen, heißt es. Was ist eine Entbindung? Und was kann er dafür?

Die kleinen Wollklöße gedeihen gut. Sie sind hungrig und liegen laut schmatzend an Cocos Milchbar oder schlafen seufzend auf Cocos Beinen. Die winzige Katze, deren Rattenschwänzchen schon vorwitzig in die Höhe steht, hat so ein dickes Milchbäuchlein, daß ihre Pfoten nicht mehr auf den Boden reichen und sie nicht mehr robben kann. Sie liegt auf dem Rücken, den dicken Bauch in die Luft gestreckt und lächelt. Jau, das hat sie hier richtig gut getroffen. Hier bleibt sie.

Aber wer ist der schüchterne schwarze Kater mit den glühenden gelben Augen, der vor dem Bett hockt und dauernd so sehnsüchtig über den Rand schaut?

Tja, das ist eine gute Frage.

Liebe Isabella, vielen lieben Dank für diese Querencastlegeschichte!

Mal wieder voll aus dem Leben gegriffen!!!!

Hier geht es zu Isabella´s Chaoskater!